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Erfahrungsfeld Blaubeere – zu Gast auf dem Bickbeernhof in Brokeloh

„Wir können nur Blaubeeren“-so lautete der Ausspruch von Herrn Nolden, der uns als Gastgeber des zweiten Zertifizierungstags in Niedersachsen auf den Bickbeernhof begrüßte. 25 Hektar Blaubeeren und eine Gastronomie, die ganz abgestimmt ist auf Gerichte, in denen Blaubeeren eine leckere Komponente sind. Aber es ging nicht nur ums schmecken…

Zusammen mit den Teilnehmern der Zertifizierung im niedersächsischen Raum, durften wir den Hof auf eigene Faust entdecken und erfahren was die Methode Erfahrungsfeld Bauernhof mit uns macht. So begannen wir am Rand des Blaubeerfeldes mit dem Untersuchen der Pflanzen. Als Städter aufs Land gezogen entstand die Frage > Sind dies noch Blaubeeren und können diese noch geerntet werden? <Bei genauerem Betrachten, sahen wir wie die Beeren an den Rispen teils abgeerntet und teils noch wenige vorhanden waren. Wir erlebten ein haptisches, optisches und geschmackliches Ereignis. Zudem erfuhren wir einiges über Alter, Gehölzart und Erträge der Pflanzen.

Die Ertragsfrage beschäftigte uns am meisten. Kein Wunder! Wenn Lebensmittel-Märkte Blaubeeren angeliefert bekommen, dann gibt es einen Preis für den Verbraucher. Die Frage, welche Arbeiten vorher ausgeführt werden und in welcher Zeit diese erledigt werden müssen, damit dieser Preis erzielt werden kann, war so interessant, dass sie uns über die ganze Führung begleitete. So stoppten wir die Zeit wie lange es dauert um fünf Blaubeeren zu ernten. Und versuchten hochzurechnen wieviel Zeit notwendig ist um ein Kilo Beeren zu ernten. Jede Rispe hat jedoch unterschiedlich viele Beeren und jeder Strauch unterschiedlich viele Rispen. Ein schwieriges Unterfangen. Die genauen Kennzahlen konnte uns der Betriebsleiter später nennen.

Wir verdichteten mit der Gesprächslandkarte 8×8 die Fragen, sodass wir die Bedeutung dieser Kennzahlen erfassen konnten. Faszinierend wurde es, als wir über die unterschiedliche Größe der einzelnen Büsche diskutierten. Lag es am Alter der Pflanze? Oder an der Sorte? Der Landwirt erklärte uns später, dass selbst gleiche Sorten unterschiedlich schnell wachsen. Weil sie zweimal im Jahr auf eine gut erntebare Höhe zurückgeschnitten werden. Außerdem ist die Beschaffenheit des Bodens verschieden. Somit wirkten manche Büsche groß und üppig , andere wiederum etwas gedrungener. Der Ertrag sei auch an den kleineren Büschen ähnlich hoch, wie an den großen.

Auf der anderen Seite des Unternehmens fanden wir die Halle mit der Sortier- und Abpackanlage und konnten uns daraus herleiten, wie der Prozess der Blaubeere in die Verkaufsschälchen verläuft. Auch sahen wir dort an den Wänden Regale befüllt mit Blaubeeressig, Blaubeerkompott oder Blaubeermarmeladen. Etiketten zeugten von der Vielfalt der Produkte. Hier konnten wir wieder untersuchen was alles aus den Blaubeeren entstand. Und wenn ich hier sage „alles wurde mit viel Liebe und Sorgfalt hergestellt“, so entnehme ich das der Erfahrung, dass wir überall gut gelaunte und begeisterte Mitarbeiter vorfanden.

Der Gang durch den Hof endete mit einem Feedback und einer Rückbesinnung auf das, was die Hofführung von anderen unterschied. Die Kommentare der Teilnehmenden lassen sich so zusammenfassen: normalerweise wird versucht, in kurzer Zeit möglichst viele Informationen zu vermitteln. Aber genau das reicht dem Gast nicht zur Erkenntnis. Die Erkenntnis, wie selbst der Betriebsleiter der Gastronomie erwähnte, war bei weitem nachhaltiger und tiefer, als das was er bei Führungen auf anderen Höfen erfährt: Das dort Jemand ist, der ihm alles was er über den Betrieb weiß in der zur Verfügung stehenden Zeit erzählt.

Am Nachmittag wendeten wir uns einem besonderen Aspekt zu. Hier ging es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Sinnen. Neben den klassischen fünf Sinnen, sammelten wir Assoziationen zur Sinnestätigkeit die nicht nur mit den Sinnesorganen wahrnehmbar sind. Sondern die dahinter liegen und unsere Wahrnehmung schulen und unterstützen. Sodass wir Ideen entwickelten, wie wir mit wenig Material eine tiefgreifende Begegnung mit dem Gast erzeugen.

So kamen wir beispielsweise auf den Gleichgewichtssinn. Ein Stock auf dem alle versuchten zu balancieren. Oder die Aufgabe, diesen Stock dann auf der Hand zu balancieren. Das brachte uns Erfahrungen mit dem Gleichgewicht und der Fähigkeit dieses herzustellen. Wir versuchten auch den Stock waagerecht auf einen Zaunpfahl zu legen. Dies erschien relativ einfach, aber dann die Übung zu steigern und den Stock senkrecht auf den Zaunpfahl zu stellen, entpuppte sich als äußerst schwierig. Daraus folgte, dass die Konzentration zunahm um diese Aufgabe irgendwie auszuführen. Jedoch schafften wir es nicht. Aber der Versuch und die Aufmerksamkeit es auszuprobieren bleibt in großer Erinnerung.

Die Inspiration, solche Übungen direkt auf dem Betrieb zu entwickeln, mit den Materialien die gerade zur Verfügung stehen, stammt aus dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens. Dabei wird die Aufmerksamkeit gebündelt und es werden Phänomene kennengelernt.

Die Reise geht weiter, denn im nächsten Jahr werden wir wieder Termine machen. Sowohl in Schleswig Holstein als auch in Niedersachsen und dort weitere Betriebe kennenlernen. Wir werden sie nutzen um unsere eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln und Führungen die wir selbst anbieten wollen auf dem Hof zu verstärken.

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Ein Sattelschlepper, unzählige Kartoffeln und viele spannende Erfahrungen

Auf dem Hof Burmeister in Wakendorf kann man vieles entdecken. Was uns vor allen Dingen überrascht hat war die Größe des Hofes. Wenn man vor dem Hofladen steht und sich umschaut, dann möchte man gerne durch den Hof zu den Feldern gehen. Auf dem neben uns stehenden Lieferwagen steht „Hof Burmeister- Kartoffeln und Eier“.

Wir gehen entlang des Wirtschaftsgebäudes, das an der rückwärtigen Grundstücksgrenze für Fahrzeuge und/oder Geräte errichtet wurde (Remise) und bleiben kurz bevor der Weg abknickt stehen. Die Gebäude sind etwas verwinkelt, aber der Durchgang nach ‚draußen‘ ist offensichtlich zu sehen. Wir versuchen zu ergründen was uns wohl dahinter erwarten wird.
Einzelne Teilnehmer sagen sehr deutlich: Felder, Wiesen und erhoffen sich den Blick auf die Kartoffelernte.

Nachdem wir noch ein paar Schritte weiter gegangen waren, erkannten wir eine Halle und bergeweise Kartoffelkisten. Kisten über Kisten über Kisten. Sechs Etagen hoch gestapelt. Jede Kiste circa einen Kubikmeter Inhalt. Gabelstaplerverkehr. Wieder fragen wir uns wo die Felder sind. Wo wird geerntet? Wird heute noch geerntet? Immerhin ist Mitte September. Wir hoffen die Aussicht auf die Felder zu bekommen. Unser suchender Blick führt uns jedoch auf die Eiersortieranlage.

Dort steht eine Sortiermaschine, deren Funktion wir ergründen wollen. Mehrere Mitarbeiter des Betriebes sind damit beschäftigt die Eier in die Kartons abzupacken wie wir sie aus den Supermärkten kennen. Auf die Frage wie so etwas funktioniert, halten wir die Bäuerin mit ihrer Erklärung zurück. Sie soll es uns nicht erläutern, sondern wir wollen es entdecken. So begeben sich alle, mehr oder weniger technikerfahren, in die Halle und beschreiben und erklären die verschiedenen Stufen der Sortierung.

Irgendwo aus der Wand kommen Eier an, die irgendwo gestempelt wurden. Und irgendwie landen sie dann in den richtigen Größen und Gewichtsklassen. Tatsächlich bei genauerem Hinschauen erkennen wir, wo was passiert. Wo wird gestempelt, wo wird das Wiegen vorgenommen? Wo passiert das Aussortieren der kaputten oder dreckigen Eier? Es ist erstaunlich wie schnell man sich in solche Gerätschaften hineindenken kann. Wenn man durch die offenen Zwischenräume der Anlage hindurch sieht, erahnt man wo welcher Arbeitsvorgang gemacht wird. Wahrscheinlich ist nicht alles richtig was wir herausfinden. Aber es ist immerhin soweit zutreffend, dass wir das Prinzip der Urgesetzmäßigkeit verstehen. Und wir verstehen sie wirklich so, dass sie uns nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Die Bäuerin ist darüber erstaunt, wie viel sich uns vom Zuschauen sich selbst erklärt und wie wenig erörtert werden muss. Das Pfand, welches man dafür zahlt, ist die Zeit. Es braucht länger als in ihren üblichen Führungen. Aber die Konzentration der TeilnehmerInnen ist die ganze Zeit sehr hoch.

Wir gehen 1,5 Stunden über den Betrieb und entdecken auf gleiche Art und Weise die Sortierung der Kartoffeln. Wie funktioniert eine vollautomatische Abpackung? Wie werden die Säcke geschnitten, genäht, geklebt? Die Kartoffeln werden in einer Waschanlage gewaschen und automatisch in Kisten gelegt.

Wir sehen eine große LKW-Waage und stellen fest, dass ein leerer Sattelschlepper zusammen mit den Teilnehmern 18450 kg wiegt. Dies sind alles Fragen die uns scheints nebenbei und doch intensiv genug beschäftigen um damit einen roten Faden durch den Hof zu finden. Der Hof bietet das Entdeckungsfeld.

Außerdem birgt der Hof auch Gefahren. Natürlich, im Verkehr beim Betrieb und den einzelnen Abläufen ist man immer ein bisschen im Weg. Ständig macht man sich Gedanken kein Störfaktor zu sein. Autos müssen mehrmals umgeparkt werden, damit die Sattelschlepper vorbei kommen. Aber das macht nichts, denn wenn man mit wachen Sinnen über den Hof geht, kann man leicht erkennen, wo man im Weg steht und wo Gefahren lauern. Gegebenenfalls weisen wir als Begleiter darauf hin. Letztendlich ist diese Begegnen der Gefahr, oder auch nur der möglichen Gefahr, das, was Erfahrung auslöst.

Auch hier ist der Nachmittag der Zertifizierung ist den Sinnen gewidmet. Etwas anders als am Vortag auf dem Bickbeernhof. Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen geteilt und erkunden den Hof erneut. Unter der Fragestellung: Welchen Sinn kann ich mit dem Vorhandenen Material und einer kleinen Aufgabe beim Gast ansprechen? Wir stellen fest, dass wir ganz klar den ‚Gefahr-Sinn‘ oder ‚Ordnungs-Sinn‘ ansprechen wollen. Auch wenn wir durch die Fragestellung dorthin leiten, merken wir, dass derjenige der Antwortet etwas total anderes feststellt als derjenige, der angeleitet hat. Für den Angeleiteten etwas viel Wichtigeres als für den Begleiter. Und wenn wir versuchen das der Angeleitete den gleichen Sinn, wie der Anleitende erkennen soll, dann missglückt die Übung. Das bleibt als eine entscheidende Bedeutung in Erinnerung. Dieses „dem Anderen aufdrängen wollen, du musst lernen was ich weiß, du musst lernen, was ich hier so toll fand“ funktioniert nicht. Wir lernen das, was wir gerne lernen und wir lernen das, was uns selbst interessiert. Denn das was uns interessiert, hängt mit unseren Zielsetzungen und unseren Erfahrungen aus unserer Vergangenheit zusammen. Da diese alle verschieden sind, lernen wir alle unterschiedlich.

Wenn wir als Begleiter unsere Fragen offen genug formulieren, dann ist Raum für das was ich als Gast selbst lernen will. Dann ist Raum für das was mich interessiert und dann freue ich mich auf die Unterstützung, wenn mir jemand hilft, meine Fragen noch präziser zu formulieren. Das ist der eigentliche Reichtum den wir erfahren.

So kam es, dass wir am Nachmittag Bäume ertasteten, Gleichgewicht übten, dass wir rückwärts in eine Halle gingen und Studien zum Wärmeempfinden machten. Wir konnten Ordnung erkennen, weil wir plötzlich entdeckten wie strukturiert jeder Schritt in dem betrieblichen Ablauf ist. Wir bemerkten die Unternehmens- und Forscherfreude des Landwirts selbst, am Beispiel eines Anhängers, der eine hydraulische Kistensicherung hat. Wir nahmen den schönen Dialog mit den Mitarbeitern zu Kenntnis, der mit kurzen prägnanten Fragen uns wesentliche Antworten gab.

Insgesamt möchte ich noch einen großen Dank aussprechen: Einen großen Dank an die Beteiligten diesen Tages. Einen großen Dank an den Hof Burmeister, für seine unter Anderem, großartige Gastfreundschaft und die Einblicke in seinen Betriebsablauf. Einen großen Dank an die TeilnehmerInnen, die mit viel Freude geholfen haben das auch dieser Tag ein gelungenes Event war, voller sinnlicher Erfahrungen sowie einer Entdeckungsreise in einen Bereich der vielen von uns unbekannt war.

Die Reise geht weiter…

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Der Baggersee ruft

In letzter Zeit taucht die Landwirtschaft wieder vermehrt in den Medien auf. Die Nachrichten berichten darüber, dass die Ernte aufgrund großer Trockenheit schlechter als in den Vorjahren ausfällt. Des Weiteren wird berichtet, dass dies keine, oder nur geringe Auswirkungen auf die Preise der Endverbraucher hat. Da der Anteil dessen was der Landwirt vom Produktpreis bekommt, verhältnismäßig gering sei.

Auf der anderen Seite strömen wir in Heerscharen an die Baggerseen, die Ufer der Flüsse oder ans Meer und genießen einen Sommer der uns gelegentlich mit Gewitterschauern überrascht. Vielleicht sind die Meldungen die wir lesen auch nur „Sommerlochberichte“, die die Medien über die Sommerpause füllen sollen, weil die Urlaubssaison begonnen hat und viele Leute unterwegs sind. Vielleicht aber auch nicht.

Was dann? Wenn wir es uns genau überlegen, machen wir uns doch viel zu wenig Gedanken darüber, welche Einflüsse dies auf unseren Alltag hat; und welche Einflüsse wir auf diese Situation haben. Wir erfreuen uns an dem schönen Wetter und genießen den Baggersee. Andere machen sich Gedanken wie sie ihre Ernte vor dem Vertrocknen retten. Eventuell sind die Auswirkungen des Wetters noch viel größer und die Qualität der Produkte ändert sich. Zum Beispiel, wenn sich der Entwicklungsstand des Getreides ändert, ändert sich auch die Qualität des Mehls in den Supermärkten. Das was wir früher zum Herstellen von Backwaren verwendet haben, hält sich dann vielleicht bedingt schlechter.

Wer weiß so etwas und kann solche Fragen beantworten?  Wie ist es, wenn du in den Supermarkt gehst und feststellst, der Händler kann dir diese Frage nicht beantworten? Wie transparent sind unsere Produktion und unser Verständnis von Lebensmitteln wirklich?

Es gibt in Hamburg eine lobenswerte Initiative „Transparenz schaffen, von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ www.transparenz-schaffen.de . Dort wird versucht, genau diese Transparenz in Zusammenarbeit mit Landwirten, Schulen und Verbrauchermärkten herzustellen, um diese nachverfolgen zu können.

Auch wir erleben im Erfahrungsfeld Bauernhof, dass genau diese Brücke von der Urproduktion bis zum Endverbraucher sehr schwierig nachzuvollziehen und verständlich ist. Hier stellt sich die Frage, womit beginnt man um diese Transparenz zu ermöglichen?

In den Supermärkten ist immer weniger Verkaufspersonal welches bei der Auswahl der Produkte beraten kann. In einem Feinkostladen ist dies noch möglich. Im Supermarkt hat man eher das Gefühl, dass der Verkäufer das Reklameblatt auswendig kann um die Produkte zu verkaufen. Selten hat er ein wirkliches Gefühl dafür woher die angebotene Ware kommt. Glücklicherweise wird wahrscheinlich diese Schnittstelle zukünftig kürzer sein. Denn, große Supermarktketten zeigen zunehmend, dass sie Direktvermarkter in ihr Sortiment aufnehmen. Jedoch selbst da wäre die Frage, ob die Verkäufer schon mal auf den Bauernhöfen und Gärtnereien zu Besuch waren? Wissen sie dann woher das Produkt kommt welches im Laden angeboten wird?

Wir durften in der letzten Zeit die Erfahrung machen, dass ein Lebensmittelkonzern es sich zum Ziel gesetzt hat, dies zu ermöglichen. Somit starteten wir ein Pilotprojekt, in dem wir Marktleiter ausbilden genau diese Transparenz mit zu erzeugen und freuen uns sehr auf die nächsten Schritte dieser Ausbildung. Dieser Bildungsgang ist offen und wird im September weitergeführt. Mehr dazu findet ihr auf der Homepage unter Veranstaltungen  in den nachfolgenden Terminen.

Ministerium will Ende August über Hilfe für Bauern entscheiden:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/duerre-ernte-bauernverband-1.4074937

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Ideen für vertiefende Weiterbildungen im Erfahrungsfeld-Bauernhof

Die „information.medien.agrar.e,V.“ kurz „i.m.a“ gibt das Lehrermagazin „lebens.mittel.punkt.“ heraus. In diesem Magazin werden immer wieder interessante Beiträge gezeigt und Methoden vorgestellt, wie bestimmte Sachen entdeckt werden können. Artikel über Aktionen auf den Höfen geben Auskunft und Anregungen über die spannenden Stationen des Lernens. Dabei enthält das Magazin auch Arbeitsblätter, in denen man sich Notizen machen kann. Oder auch Kopiervorlagen für Aktionen.

Im Heft 02/2018, finden sich verschiedene Bausteine für den Unterricht sowohl für Landwirte als auch für Förster. Oder aber auch spezielles Ernährungswissen leicht erklärt. Außerdem weist das Magazin auf Bücher hin, welche gelesen und rezensiert wurden.

Das Magazin kann direkt bei der “i.m.a“ unter https://information-medien-agrar.de/webshop/  bestellt werden. Dort können auch viele aktuelle Unterrichtsmaterialien kostenlos angefordert werden.

Des Weiteren ist es möglich die Printausgabe quartalsweise zu abonnieren.

Aus Sicht des Erfahrungsfeld-Bauernhof ergeben sich hier schöne inhaltliche Aspekte, die auch gut umgesetzt werden können und dem Unterricht der heutigen Zeit sehr nahe kommen. Sie verlangen aber in der Regel eine gute Vorbereitung auf dem Hof. Empfehlenswert für diejenigen SchülerInnen und Schüler, die bereits Interesse an den Themen zeigen.

Wenn das Interesse geweckt ist, dann konzentrieren sich Kinder mit einer ungemeinen Faszination und können über Stunden ihren Fragen nachgehen. Dann sind Bildungsangebote hilfreich und können den Weg zu den Erkenntniszielen der Kinder vereinfachen. Häufig leidet unsere Bildung jedoch unter dem Problem, dass es nicht gelingt, das Interesse zu wecken.

Um das Interesse jedoch zu wecken gilt es in erster Linie die Teilnehmenden von Hofführungen bei ihren eigenen Fragen abzuholen. Wie das geht, kann man mit dem Modul „Mit Fragen führen“ im Erfahrungsfeld Bauernhof selbst erleben. Hier sind unsere  Veranstaltungen .

 

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Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen

Am 7.6.2017 waren wir zu Gast in Hückeswagen auf dem Glöckner-Hof von Grit Glöckner-Kolodzeij  um dort wieder einen Tag mit zwei Modulen zur Zertifizierung durchzuführen. Diesmal hatte sich auch Bauer Willi angemeldet, der seit einigen Jahren einen immer wieder lesenswerten Blog schreibt und dort ebenfalls Fragen aufwirft, die die Gesellschaft und die Landwirtschaft wieder mehr zusammen bringen können.

Im Modul 2 mit dem Titel “Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft” geht es darum: Die richtigen Fragen zu stellen, statt frühzeitig mit Antworten den Vor-Urteilen von Öffentlichkeit noch mehr Wasser auf die Mühlen zu geben. Den Anlass beschreibt Olaf Keser-Wagner wie folgt: “Vielfach erleben wir, dass Antworten gegeben werden auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden! Und oft erkennen wir, dass sich Landwirte viel zu sehr rechtfertigen für etwas, was im Kopfe des Gastes ist – und nicht in der realen Landwirtscahft. Hier gilt es zunächst einmal mit Gegenfragen das Denken der Gäste wirklich zu verstehen, ehe vorschnell eine Antwort gegeben wird. Das gezielte Rückfragen – ohne den Gast dabei auf die Nerven zu fallen – führt dann oft zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen.”

Doch wie werden diese Fragen gestellt? Dazu ist es notwendig, dass man überhaupt versteht, was eine Frage eigentlich bedeutet – in genau der Meinung, die der Fragende hat. Und es wird wichtig zu erkennen, wie schnell man dem Anderen etwas unterstellt, was dieser jedoch nicht gefragt hat.

Stell dir vor, du bist Landwirt mit einem Laufstall für 200 Milchkühe. Was bedeutet dann die Frage eines Gastes: “Warum machen Sie Massentierhaltung?”

Überlege dir, was würdest Du jetzt antworten wollen? Welche Aspekte würdest Du dem Fragenden entgegenstellen oder würdest Du ihn sogar unterstützen?

Und dann überlege dir nochmal: Welche Erfahrungen hat denn wohl dein Gast, um dir diese Frage zu stellen. Und was will er damit erreichen?

Pausengespräche … Viele Gemeinsamkeiten
v.l.n.r.: Anika Oppermann (EFB), Olaf Keser-Wagner (EFB) Grit Glöckner-Kolodzeij (Glöckner-Hof), Bauer Willi

Allein bei der letzten Frage wird klar, dass wir rückfragen müssen. Denn es mag Gäste geben, die sich produzieren wollen und ihr Wissen den anderen gegenüber vorstellen wollen. Andere wollen jeden davon überzeugen, als Veganer zu leben und wiederum andere wollen wissen, wie sich wirtschaftlich die Landwirtschaft heute darstellt. Es gäbe noch viele verschiedene Ziele, die mit dieser gestellten Frage verbunden sein könnten. Das bedeutet jedoch auch: Wer sich jetzt schon auf eine Antwort festgelegt hat, wird vermutlich eher leicht bis ganz daneben liegen, als dem Fragenden wirklich die Antwort zu geben, die er sucht.

Auch Bauer Willi war begeistert: “Ich spreche auf meinen Vorträgen auch immer davon, dass man mehr Fragen stellen muss. In Zukunft kann ich sagen, dass es Experten dafür gibt, die Menschen beibringen können, gute Rückfragen zu finden”.

Wer es selbst ausprobieren will oder mal einen ersten Eindruck gewinnen will vom Erfahrungsfeld Bauernhof, der kann dies am 28. und 29. Juni machen. Mehr Infos dazu unter www.efb-ev.org/veranstaltungen/

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Die neue Zertifizierung hat begonnen

Übersicht über die Module und den Aufbau

Ich will hier kurz einen Überblick über die neue Zertifizierung geben. Außerdem gibt es ab sofort das Heft mit den Leistungsnachweisen zum Download hier

Warum eine Zertifizierung?

Es gibt viele Begriffe in der Umweltpädagogik: „Bauernhofpädagogik mit allen Sinnen“, „Erlebnispädagogik“, „Lernort Bauernhof“ und andere sind vielen Menschen bekannt. Vieles was unter diesem Begriff passiert, ermöglicht auch Erfahrungen und Erlebnisse. Während jedoch bei den meisten Angeboten die Wissensvermittlung im Vordergrund steht, geht es beim EFB um die persönliche Begegnung mit der Urproduktion. Um sicher zu stellen, dass diese persönliche Begegnung gelingt, entwickeln wir mit Dir schrittweise spezielle Kompetenzen, welche Dich nach Abschluss der Zertifizierung dazu befähigen  Führungen zu geben, welche der Qualität des Erfahrungsfeld-Bauernhof e.V. entspricht.

Wofür brauche ich das Zertifikat?

Das Zertifikat zeigt, dass Du die verschiedenen Aspekte bei einer Begegnung erkennen und verwandeln kannst. Außerdem kannst Du damit auf unserer Homepage eigene Angebote, z.B. Führungen, einstellen und auf Deiner Unterseite Berichte von spannenden Erlebnissen aus Deiner EFB-Praxis präsentieren.

Mit dem Zertifikat wissen auch neu hinzukommende Betriebe, dass die Qualität des Angebots gesichert ist, wenn Du sie auf ihrem Betrieb führst.

Wie sieht die Zertifizierung aus?

Wir möchten Dich ermutigen, Führungen und Veranstaltungen auf Bauernhöfen, in der Urproduktion oder auch der ersten Verarbeitungsstufe „durchzuführen“. Dazu bekommst Du von uns Handwerkszeug, mit dem Du eigene Führungen entwickeln kannst. Übungen, Kenntnisse zu den Methoden des Fragens und Deine wachsende Erfahrung ergänzen die Zertifizierung.

Der zeitliche Ablauf ist sehr flexibel und modular aufgebaut. Einige Module sind Pflicht, hier genannt „Pflicht-Module“, andere kannst Du machen, wenn Du noch mehr wissen willst, hier genannt „Wahl-Modul“. Einzelne Module sind als Webinar abends vom Schreibtisch aus zu erarbeiten. Die genaue Übersicht über die Module und aktuelle Termine der nächsten Module findest Du auf der Homepage unter
www.efb-ev.org/veranstaltungen

Solltest Du schneller Dein Zertifikat machen wollen, als wir Termine auf der Homepage anbieten, dann frage doch einfach nach, ob Du einen eigenen Termin organisieren kannst. Wenn wir mindestens 8 TeilnehmerInnen haben, können wir auch hier sehr flexibel reagieren.

Deine zeitliche Investition:

Insgesamt benötigst Du mindestens die 7 Pflicht-Module. Mindestens ein Modul wird mit uns zusammen online erfüllt. Die anderen sechs werden in der Regel als jeweils zwei Halbtages-Module an einem Tag von 9:30 – 12:30 Uhr und von 13:30 – 16:30 Uhr auf landwirtschaftlichen Betrieben deutschlandweit angeboten.

In der Mittagspause gibt es in der Regel eine kleine Verpflegung, die vom gastgebenden Betrieb zur Verfügung und in Rechnung gestellt wird.

Das Modul am Vormittag enthält immer eine Führung, wobei hier auch Neueinsteiger mit bereits sich in der Zertifizierung befindenden Teilnehmenden zusammen kommen können. Während die Neueinsteiger die Grundidee innerhalb der Führungen selbst erfahren, üben sich die Fortgeschrittenen in der vertieften Beobachtung oder selbst im Führen – je nachdem, wie weit sie sich dieser Aufgabenstellung gewachsen sehen. Denn: Wer bereits Erfahrungen in Hofführungen hat, traut sich oft schneller eine Führung zu machen, als Neueinsteiger, die sich mit der Methodik noch unsicher fühlen.

Wir möchten Dir hier die einzelnen Module beschreiben. Du entscheidest selbst, wann Du welche Pflicht-Module durchführen möchtest und ob Du angebotene Wahlmodule zur Festigung Deines Wissens hinzunehmen möchtest.

Mit der Zertifizierung kannst Du nachweisen, dass Du:

  • die Haltung und Methoden des Erfahrungsfeld-Bauernhof beherrscht.
  • Veranstaltungen und Führungen im Sinne des EFB eigenständig durchführen kannst.
  • Geschichten vom Gelingen erzählen und die Vernetzung und Weiterverbreitung der Idee unterstützen kannst.

Die Teilnahme an den Modulen wird mit Unterschrift der Ausbilder ab Seite 42 bestätigt.

Übersicht der Module

Nr. Titel Schwerpunkte  
1 Mit Fragen führen – vom Erlebnis zur Erfahrung, Einsteigerstatus EFB kennenlernen im Rahmen einer Führung. Reflektion über die Grundlagen von Führungen. Pflicht
2 Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft – vom Umgang mit kritischen Fragen Gesprächslandkarte 8×8 als grundlegende Fragehaltung kennenlernen. Fragen üben. Pflicht
3 Mit Fragen führen – vom Erlebnis zur Erfahrung, Methoden-Beobachter EFB-Führung mit Methodenkenntnissen beobachten und Reflektion über die Wirkweise der Methodik. Wahl
4 Vom Gleichgewicht und dem Gemeinschaftssinn Die Sinne als Grundlage zur Entwicklung von Übungen. Sinnesentfaltung als Grundlage von Begegnung. Pflicht
5 Mit Fragen führen – vom Erlebnis zur Erfahrung, Nachweis der Durchführung Eigenständig eine Führung planen und durchführen. Pflicht
6 Wert-Bildung in der Natur- und Umweltpädagogik Preise für Veranstaltungen kalkulieren  und Preisverhandlungen führen. Psychologische Grundlagen der Preisbildung. Pflicht
7 Netzwerk sichtbar machen – Homepage, Facebook und Co. Online-Modul zur Einführung in die Website, Kalender, SocialMedia und das interne Portal. Pflicht
8 Gruppendynamik und Werkzeugkasten Übungsanregungen zu unterschiedlichen Altersstufen – Was hat meine Lieblingsübung mit dem EFB zu tun? Wahl
9 Geschichten vom Gelingen – Texten für Website und Zeitung Online-Modul – Einen Text erstellen, den Leser erreichen. Wir schreiben unseren Pressetext und Blogbeitrag. Wahl

In der Regel sind zwie Module an jeweils einem Tag angeboten: Vormittags 9:30 – 12:30 Uhr: Module 1, 3, 5, nachmittags die anderen Module im Wechsel und nach Bedarf der Zertifizierungssituation.

Die Module 7 und 9 werden online angeboten und am heimischen PC absolviert.

Wer seine Abschluss-Führung nicht in einem der Module 1, 3, 5 absolvieren kann, kann mit einem zertifizierten EFB-Begleiter eine eigene Führung organisieren und die Durchführung schriftlich dokumentieren, sodass erkennbar ist, wie die Methodik konkret angewandt wurde. Hierzu ist eine Absprache mit dem Ausbildungsteam notwendig.