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Ein Sattelschlepper, unzählige Kartoffeln und viele spannende Erfahrungen

Auf dem Hof Burmeister in Wakendorf kann man vieles entdecken. Was uns vor allen Dingen überrascht hat war die Größe des Hofes. Wenn man vor dem Hofladen steht und sich umschaut, dann möchte man gerne durch den Hof zu den Feldern gehen. Auf dem neben uns stehenden Lieferwagen steht „Hof Burmeister- Kartoffeln und Eier“.

Wir gehen entlang des Wirtschaftsgebäudes, das an der rückwärtigen Grundstücksgrenze für Fahrzeuge und/oder Geräte errichtet wurde (Remise) und bleiben kurz bevor der Weg abknickt stehen. Die Gebäude sind etwas verwinkelt, aber der Durchgang nach ‚draußen‘ ist offensichtlich zu sehen. Wir versuchen zu ergründen was uns wohl dahinter erwarten wird.
Einzelne Teilnehmer sagen sehr deutlich: Felder, Wiesen und erhoffen sich den Blick auf die Kartoffelernte.

Nachdem wir noch ein paar Schritte weiter gegangen waren, erkannten wir eine Halle und bergeweise Kartoffelkisten. Kisten über Kisten über Kisten. Sechs Etagen hoch gestapelt. Jede Kiste circa einen Kubikmeter Inhalt. Gabelstaplerverkehr. Wieder fragen wir uns wo die Felder sind. Wo wird geerntet? Wird heute noch geerntet? Immerhin ist Mitte September. Wir hoffen die Aussicht auf die Felder zu bekommen. Unser suchender Blick führt uns jedoch auf die Eiersortieranlage.

Dort steht eine Sortiermaschine, deren Funktion wir ergründen wollen. Mehrere Mitarbeiter des Betriebes sind damit beschäftigt die Eier in die Kartons abzupacken wie wir sie aus den Supermärkten kennen. Auf die Frage wie so etwas funktioniert, halten wir die Bäuerin mit ihrer Erklärung zurück. Sie soll es uns nicht erläutern, sondern wir wollen es entdecken. So begeben sich alle, mehr oder weniger technikerfahren, in die Halle und beschreiben und erklären die verschiedenen Stufen der Sortierung.

Irgendwo aus der Wand kommen Eier an, die irgendwo gestempelt wurden. Und irgendwie landen sie dann in den richtigen Größen und Gewichtsklassen. Tatsächlich bei genauerem Hinschauen erkennen wir, wo was passiert. Wo wird gestempelt, wo wird das Wiegen vorgenommen? Wo passiert das Aussortieren der kaputten oder dreckigen Eier? Es ist erstaunlich wie schnell man sich in solche Gerätschaften hineindenken kann. Wenn man durch die offenen Zwischenräume der Anlage hindurch sieht, erahnt man wo welcher Arbeitsvorgang gemacht wird. Wahrscheinlich ist nicht alles richtig was wir herausfinden. Aber es ist immerhin soweit zutreffend, dass wir das Prinzip der Urgesetzmäßigkeit verstehen. Und wir verstehen sie wirklich so, dass sie uns nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Die Bäuerin ist darüber erstaunt, wie viel sich uns vom Zuschauen sich selbst erklärt und wie wenig erörtert werden muss. Das Pfand, welches man dafür zahlt, ist die Zeit. Es braucht länger als in ihren üblichen Führungen. Aber die Konzentration der TeilnehmerInnen ist die ganze Zeit sehr hoch.

Wir gehen 1,5 Stunden über den Betrieb und entdecken auf gleiche Art und Weise die Sortierung der Kartoffeln. Wie funktioniert eine vollautomatische Abpackung? Wie werden die Säcke geschnitten, genäht, geklebt? Die Kartoffeln werden in einer Waschanlage gewaschen und automatisch in Kisten gelegt.

Wir sehen eine große LKW-Waage und stellen fest, dass ein leerer Sattelschlepper zusammen mit den Teilnehmern 18450 kg wiegt. Dies sind alles Fragen die uns scheints nebenbei und doch intensiv genug beschäftigen um damit einen roten Faden durch den Hof zu finden. Der Hof bietet das Entdeckungsfeld.

Außerdem birgt der Hof auch Gefahren. Natürlich, im Verkehr beim Betrieb und den einzelnen Abläufen ist man immer ein bisschen im Weg. Ständig macht man sich Gedanken kein Störfaktor zu sein. Autos müssen mehrmals umgeparkt werden, damit die Sattelschlepper vorbei kommen. Aber das macht nichts, denn wenn man mit wachen Sinnen über den Hof geht, kann man leicht erkennen, wo man im Weg steht und wo Gefahren lauern. Gegebenenfalls weisen wir als Begleiter darauf hin. Letztendlich ist diese Begegnen der Gefahr, oder auch nur der möglichen Gefahr, das, was Erfahrung auslöst.

Auch hier ist der Nachmittag der Zertifizierung ist den Sinnen gewidmet. Etwas anders als am Vortag auf dem Bickbeernhof. Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen geteilt und erkunden den Hof erneut. Unter der Fragestellung: Welchen Sinn kann ich mit dem Vorhandenen Material und einer kleinen Aufgabe beim Gast ansprechen? Wir stellen fest, dass wir ganz klar den ‚Gefahr-Sinn‘ oder ‚Ordnungs-Sinn‘ ansprechen wollen. Auch wenn wir durch die Fragestellung dorthin leiten, merken wir, dass derjenige der Antwortet etwas total anderes feststellt als derjenige, der angeleitet hat. Für den Angeleiteten etwas viel Wichtigeres als für den Begleiter. Und wenn wir versuchen das der Angeleitete den gleichen Sinn, wie der Anleitende erkennen soll, dann missglückt die Übung. Das bleibt als eine entscheidende Bedeutung in Erinnerung. Dieses „dem Anderen aufdrängen wollen, du musst lernen was ich weiß, du musst lernen, was ich hier so toll fand“ funktioniert nicht. Wir lernen das, was wir gerne lernen und wir lernen das, was uns selbst interessiert. Denn das was uns interessiert, hängt mit unseren Zielsetzungen und unseren Erfahrungen aus unserer Vergangenheit zusammen. Da diese alle verschieden sind, lernen wir alle unterschiedlich.

Wenn wir als Begleiter unsere Fragen offen genug formulieren, dann ist Raum für das was ich als Gast selbst lernen will. Dann ist Raum für das was mich interessiert und dann freue ich mich auf die Unterstützung, wenn mir jemand hilft, meine Fragen noch präziser zu formulieren. Das ist der eigentliche Reichtum den wir erfahren.

So kam es, dass wir am Nachmittag Bäume ertasteten, Gleichgewicht übten, dass wir rückwärts in eine Halle gingen und Studien zum Wärmeempfinden machten. Wir konnten Ordnung erkennen, weil wir plötzlich entdeckten wie strukturiert jeder Schritt in dem betrieblichen Ablauf ist. Wir bemerkten die Unternehmens- und Forscherfreude des Landwirts selbst, am Beispiel eines Anhängers, der eine hydraulische Kistensicherung hat. Wir nahmen den schönen Dialog mit den Mitarbeitern zu Kenntnis, der mit kurzen prägnanten Fragen uns wesentliche Antworten gab.

Insgesamt möchte ich noch einen großen Dank aussprechen: Einen großen Dank an die Beteiligten diesen Tages. Einen großen Dank an den Hof Burmeister, für seine unter Anderem, großartige Gastfreundschaft und die Einblicke in seinen Betriebsablauf. Einen großen Dank an die TeilnehmerInnen, die mit viel Freude geholfen haben das auch dieser Tag ein gelungenes Event war, voller sinnlicher Erfahrungen sowie einer Entdeckungsreise in einen Bereich der vielen von uns unbekannt war.

Die Reise geht weiter…

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Der Baggersee ruft

In letzter Zeit taucht die Landwirtschaft wieder vermehrt in den Medien auf. Die Nachrichten berichten darüber, dass die Ernte aufgrund großer Trockenheit schlechter als in den Vorjahren ausfällt. Des Weiteren wird berichtet, dass dies keine, oder nur geringe Auswirkungen auf die Preise der Endverbraucher hat. Da der Anteil dessen was der Landwirt vom Produktpreis bekommt, verhältnismäßig gering sei.

Auf der anderen Seite strömen wir in Heerscharen an die Baggerseen, die Ufer der Flüsse oder ans Meer und genießen einen Sommer der uns gelegentlich mit Gewitterschauern überrascht. Vielleicht sind die Meldungen die wir lesen auch nur „Sommerlochberichte“, die die Medien über die Sommerpause füllen sollen, weil die Urlaubssaison begonnen hat und viele Leute unterwegs sind. Vielleicht aber auch nicht.

Was dann? Wenn wir es uns genau überlegen, machen wir uns doch viel zu wenig Gedanken darüber, welche Einflüsse dies auf unseren Alltag hat; und welche Einflüsse wir auf diese Situation haben. Wir erfreuen uns an dem schönen Wetter und genießen den Baggersee. Andere machen sich Gedanken wie sie ihre Ernte vor dem Vertrocknen retten. Eventuell sind die Auswirkungen des Wetters noch viel größer und die Qualität der Produkte ändert sich. Zum Beispiel, wenn sich der Entwicklungsstand des Getreides ändert, ändert sich auch die Qualität des Mehls in den Supermärkten. Das was wir früher zum Herstellen von Backwaren verwendet haben, hält sich dann vielleicht bedingt schlechter.

Wer weiß so etwas und kann solche Fragen beantworten?  Wie ist es, wenn du in den Supermarkt gehst und feststellst, der Händler kann dir diese Frage nicht beantworten? Wie transparent sind unsere Produktion und unser Verständnis von Lebensmitteln wirklich?

Es gibt in Hamburg eine lobenswerte Initiative „Transparenz schaffen, von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ www.transparenz-schaffen.de . Dort wird versucht, genau diese Transparenz in Zusammenarbeit mit Landwirten, Schulen und Verbrauchermärkten herzustellen, um diese nachverfolgen zu können.

Auch wir erleben im Erfahrungsfeld Bauernhof, dass genau diese Brücke von der Urproduktion bis zum Endverbraucher sehr schwierig nachzuvollziehen und verständlich ist. Hier stellt sich die Frage, womit beginnt man um diese Transparenz zu ermöglichen?

In den Supermärkten ist immer weniger Verkaufspersonal welches bei der Auswahl der Produkte beraten kann. In einem Feinkostladen ist dies noch möglich. Im Supermarkt hat man eher das Gefühl, dass der Verkäufer das Reklameblatt auswendig kann um die Produkte zu verkaufen. Selten hat er ein wirkliches Gefühl dafür woher die angebotene Ware kommt. Glücklicherweise wird wahrscheinlich diese Schnittstelle zukünftig kürzer sein. Denn, große Supermarktketten zeigen zunehmend, dass sie Direktvermarkter in ihr Sortiment aufnehmen. Jedoch selbst da wäre die Frage, ob die Verkäufer schon mal auf den Bauernhöfen und Gärtnereien zu Besuch waren? Wissen sie dann woher das Produkt kommt welches im Laden angeboten wird?

Wir durften in der letzten Zeit die Erfahrung machen, dass ein Lebensmittelkonzern es sich zum Ziel gesetzt hat, dies zu ermöglichen. Somit starteten wir ein Pilotprojekt, in dem wir Marktleiter ausbilden genau diese Transparenz mit zu erzeugen und freuen uns sehr auf die nächsten Schritte dieser Ausbildung. Dieser Bildungsgang ist offen und wird im September weitergeführt. Mehr dazu findet ihr auf der Homepage unter Veranstaltungen  in den nachfolgenden Terminen.

Ministerium will Ende August über Hilfe für Bauern entscheiden:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/duerre-ernte-bauernverband-1.4074937

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Die Kunst, die richtigen Fragen zu stellen

Am 7.6.2017 waren wir zu Gast in Hückeswagen auf dem Glöckner-Hof von Grit Glöckner-Kolodzeij  um dort wieder einen Tag mit zwei Modulen zur Zertifizierung durchzuführen. Diesmal hatte sich auch Bauer Willi angemeldet, der seit einigen Jahren einen immer wieder lesenswerten Blog schreibt und dort ebenfalls Fragen aufwirft, die die Gesellschaft und die Landwirtschaft wieder mehr zusammen bringen können.

Im Modul 2 mit dem Titel “Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft” geht es darum: Die richtigen Fragen zu stellen, statt frühzeitig mit Antworten den Vor-Urteilen von Öffentlichkeit noch mehr Wasser auf die Mühlen zu geben. Den Anlass beschreibt Olaf Keser-Wagner wie folgt: “Vielfach erleben wir, dass Antworten gegeben werden auf Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden! Und oft erkennen wir, dass sich Landwirte viel zu sehr rechtfertigen für etwas, was im Kopfe des Gastes ist – und nicht in der realen Landwirtscahft. Hier gilt es zunächst einmal mit Gegenfragen das Denken der Gäste wirklich zu verstehen, ehe vorschnell eine Antwort gegeben wird. Das gezielte Rückfragen – ohne den Gast dabei auf die Nerven zu fallen – führt dann oft zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen.”

Doch wie werden diese Fragen gestellt? Dazu ist es notwendig, dass man überhaupt versteht, was eine Frage eigentlich bedeutet – in genau der Meinung, die der Fragende hat. Und es wird wichtig zu erkennen, wie schnell man dem Anderen etwas unterstellt, was dieser jedoch nicht gefragt hat.

Stell dir vor, du bist Landwirt mit einem Laufstall für 200 Milchkühe. Was bedeutet dann die Frage eines Gastes: “Warum machen Sie Massentierhaltung?”

Überlege dir, was würdest Du jetzt antworten wollen? Welche Aspekte würdest Du dem Fragenden entgegenstellen oder würdest Du ihn sogar unterstützen?

Und dann überlege dir nochmal: Welche Erfahrungen hat denn wohl dein Gast, um dir diese Frage zu stellen. Und was will er damit erreichen?

Pausengespräche … Viele Gemeinsamkeiten
v.l.n.r.: Anika Oppermann (EFB), Olaf Keser-Wagner (EFB) Grit Glöckner-Kolodzeij (Glöckner-Hof), Bauer Willi

Allein bei der letzten Frage wird klar, dass wir rückfragen müssen. Denn es mag Gäste geben, die sich produzieren wollen und ihr Wissen den anderen gegenüber vorstellen wollen. Andere wollen jeden davon überzeugen, als Veganer zu leben und wiederum andere wollen wissen, wie sich wirtschaftlich die Landwirtschaft heute darstellt. Es gäbe noch viele verschiedene Ziele, die mit dieser gestellten Frage verbunden sein könnten. Das bedeutet jedoch auch: Wer sich jetzt schon auf eine Antwort festgelegt hat, wird vermutlich eher leicht bis ganz daneben liegen, als dem Fragenden wirklich die Antwort zu geben, die er sucht.

Auch Bauer Willi war begeistert: “Ich spreche auf meinen Vorträgen auch immer davon, dass man mehr Fragen stellen muss. In Zukunft kann ich sagen, dass es Experten dafür gibt, die Menschen beibringen können, gute Rückfragen zu finden”.

Wer es selbst ausprobieren will oder mal einen ersten Eindruck gewinnen will vom Erfahrungsfeld Bauernhof, der kann dies am 28. und 29. Juni machen. Mehr Infos dazu unter www.efb-ev.org/veranstaltungen/

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Eine Dose Kaugummi – Dialoge nachhaltig gestalten

Dialog, Jasper, Bauer Willi

Ein Bild für die Verantwortung des Landwirts im Umgang mit Spritzmitteln

Bauer Willi veröffentlichte vor ein paar Tagen in seinem Blog  einen “Brief eines jungen Landwirtes” der auch mir ans Herz ging. Jasper Becker schreibt darin über den Beruf des Landwirts, den er in der Gesellschaft als denjenigen Beruf erlebt, über den so viele Menschen schlecht reden und auch noch vorschreiben wollen, wie er zu tun sei. Und er schilder auch, was das Darstellen von Fakten und der Dialog bewirkt:

Denn wie schnell und einfach man den interessierten Besuchen Dinge erklären konnte war verblüffend. So hatten wir eine Dose Kaugummis. Gewöhnlich passen dort 100 ml rein. Bei der Vorstellung dass wir diese Menge als Pflanzenschutzmittel auf 1,5 Fußballfeldern verteilten, schauten die Menschen nicht schlecht. „Und ich kippe immer eine ganze Flasche in die Gießkanne und dusche die 20qm Terrasse ab.“ Wenn man dann noch erklärt, dass Glyphosat über das Blatt wirkt, und wir Landwirte mit unserer Technik einen viel feineren Spritznebel schaffen können, sind die Zuhörer völlig erstaunt. Den Menschen ist eben nicht klar, dass wir Landwirte wissen was wir tun und dass dies alles begründet ist. Wir spritzen oft nachts, damit keine Bienen in den Beständen sind, wir müssen wegen Wind auch schonmal am Wochenende spritzen. Und wir dreschen doch nicht Sonntags um uns vor dem Gottesdienst zu drücken!

Lieber Jasper, ich stimme dir zu, was den Dialog und auch die Fakten betrifft. Gleichzeitig weiß ich aus eigener Erfahrung, wie schwer dieser Dialog ist.

Dialog und Nachhaltigkeit

Als ich selbst in deinem Alter in der Lehre war, durfte ich auch Führungen bei den Hoffesten machen und erlebte ein großes Interesse, wenn ich von den Zusammenhängen sprach und auch erzählte, wie wir unseren Anbau auf dem Betrieb gestalteten. Mein “ABER” hängt an etwas anderem: Wie schaffen wir es, den Dialog auch nachhaltig zu machen?

Zuerst einmal gilt es für sich selbst klar zu prüfen, ob die Begeisterung, die man bei seinen Zuhöreren erlebt, auch nach einer Woche und nach einem Monat eigentlich noch anhält.

Dann taucht die Frage auf: Woran liegt es, dass es so ist  – und woran liegt es, dass es meistens nicht so ist?

Seit fast zehn Jahren beschäftigt mich diese Frage intensiver. Und das führt mich dazu, was die Qualität des Dialogs ausmacht:

Natürlich kann man mit der bildlichen Darstellung der Kaugummidose etwas veranschaulichen, was sonst schwer nachvollziehbar ist. Aber doch setzen wir einen Gedanken von uns und ein von uns gewähltes Bild zum Verständnis ein. Und genau hier liegt die Herausforderung: Wenn es uns gelingt, dass unser Besucher sein eigenes Bild aufbaut, eigenständig durchdenkt und selbständig zu Rückschlüssen kommt, dann wird er vor sich selbst verantwortlich für einen andern Umgang mit den Lebensmitteln, für ein anderes Einkaufsverhalten etc.

Die Kunst der Frage

Uns gelingt dies durch Nachfragen, durch Ernst-Nehmen der oft sehr verzerrten Wahrnehmung der Gäste in unseren Führungen. Viele Vorurteile lösen sich durch das Betrachten der Fakten auf. Viele Vorurteile kann man aber auch festigen, wenn man die eigenen Meinungen einstreut und so genau das Gegenteil von dem bewirken, was man erreichen will. Das Nachfragen ist daher eine große Kunst – denn wie leicht streut man gerade in den Fragen die eigene Sichtweise mit ein?

Veränderung fängt im Denken an und braucht Zeit. Zeit für den Dialog. “Dia-Logos” = “Durch das Wort” kann und sollte bedeuten, dass das Individuelle, das Persönliche, das, was die Begegnung ausmacht, auch durch die Worte, Fragen, den Raum für Antworten etc. entstehen kann. Oft entstehen dann sogar auf beiden Seiten neue Erkenntnisse, Wahrheiten, Schätze der Begegnung.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen fruchtbare Dialoge und nachhaltige Erkenntnisse.

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Hessischer Rundfunk zu Gast auf dem Bornhof – so geht Netzwerken!

Montag, 27.6.2015 klingelt das Telefon. Der Hessiche Rundfunk hat angerufen und gefragt, ob er am Mittwoch einen Bericht für den Freitag, 1.7.2016 über das EFB machen kann. Das ist kurzfristig, knapp und ich weiß, dass Claudia alle Hände voll zu tun hat. Dennoch rufe ich sie an. Ich habe mir überlegt: Ich kann hochfahren aus München und bei Holger Fürnstall, auf dem Elkenhof oder auch auf dem Bornhof für ein Interview zur Verfügung stehen. Claudia weiß noch nicht, ob sie kann. Der Tierarzt hat sich angemeldet und die Chance scheint uns aber gut zu sein. Also schauen, welcher Hof sich meldet. Nachricht hinterlassen bei Holger, angerufen bei Daniela, die aber erst abends um 21:00 Uhr zurück sein wird.

Im Veranstaltungskalender sehe ich den Führungstermin bei Renate auf dem Bornhof. Ich erreiche Sie und sage, was wir vorhaben – vielleicht hat Sie auch Lust, mitzumachen. Und sie meldet mir zurück, dass Sabine morgens eine Führung bei ihr gemacht hat – vielleicht ist sie auch noch am Nachmittag da.

Also Mail an Sabine und am Abend die Antwort, dass sie auch kommt. Am Dienstag dann die Mail von ihr, sie könne auch eine Familie mitbringen mit drei Kindern.

Ich kaufe mein Bahnticket für Mittwoch früh und verabrede mich mit Mareike, der Redakteurin, vor dem hr in Frankfurt. Gemeinsam mit Jonas dem Kameramann fahren wir zum Bornhof und treffen dort neben Renate eine weitere Gastfamilie an, die Urlaub auf dem Bauernhof macht. Auch ihre Kinder wollen gerne mit vor die Kamera. Und nach Zustimmung der Eltern kann es losgehen.

Hans im Gras und Fredy an der Kamera
Hans im Gras und Fredy an der Kamera

Auf der Fahrt zum Hof haben wir bereits einiges ausgetauscht an Informationen, was das EFB macht und will, was die Besonderheiten sind, auf die man achten kann während einer Führung, wie schwer es für den Verbraucher ist, sich für oder gegen etwas zu entscheiden, wenn man doch keinen Einblick mehr hat und die Lage äußerst kompliziert ist. Ich bin überzeugt, dieses Briefing hilft uns gemeinsam die Kamera auch auf das zu Richten, was den Unterschied ausmacht.

Als auch noch Claudia rechtzeitig auf den Hof kommt steht so langsam die Idee, wie der Beitrag aussehen könnte. Nach etwa zwei Stunden sind die wesentlichen Bilder im Kasten und alle brechen wieder auf.

Ich steige am Flughafen wieder in den Zug nach München und bin um 21:00 Uhr zurück. Inzwischen wird Maren den Bericht geschnitten haben und bereits mit anderen Themen beschäftigt sein. Alles hat prima geklappt. So geht Netzwerken! Danke an alle Beteiligten.

Hinter den Kulissen

Während Claudia die Kinder über den Hof begleitete und in bewährter Art aus ihnen ihre Fähigkeiten hervorlockte, zeigte sich manches Detail der besonderen Methodik. So tauchen immer wieder Fachbegriffe auf, die die Kinder zwar wissen, aber die sie noch nicht mit einer Realität verbunden haben. Außerdem wird für uns als Beobachter der Szene deutlich, wie intensiv die Konzentration ist und wie selbst bei verschiedenstem Alter (3-12 Jahren) dennoch alle auf ihre eigenen Erfahrungen kommen. Wie sich die Gruppe gegenseitig stärkt und stützt, hilft zu entdecken, die Zusammenhänge zu finden.

Kann man eigentlich hören, ob in dem Ei ein Küken ist? Wie schmeckt das Futter? Und wie lässt sich der Stalldurft beschreiben? Die Besonderheit der Sinneswahrnehmungen wird deutlich auch als Hans vom Salzleckstein eine Ecke abbricht und probiert. Die Kinder überwinden immer wieder Vorstellungsängste und erfahren sich als mutig und fähig. Sie machen ihre Erfahrungen in ihrem eigenen Tempo und bekommen dafür solane Zeit, wie die Aufmerksamkeit reicht. Das ist lange – und manch einen Lehrer höre ich in den Führungen sagen: Aber wir haben ja noch nicht alles gesehen! Doch genau darauf kommt es an: Die Zeit zu geben, die Erfahrung zu machen. Nicht einfach nur abzurufen, wie etwas riecht oder schmeckt, um zu prüfen, ob die verschiedenen Geschmacksrichtungen oder Geruchsnoten den Kindern bekannt sind. Nein, es geht um das Riechen an sich und das Helfen, zu artikulieren, was so besonders an diesem Geruch ist.

Als Mareike am Ende die Kinder fragen will, was sie besonderes mitnehmen aus der Führung, erlebt sie, dass die Kinder in dem Glauben sind, sie müssten jetzt etwas gelernt haben und richtig wiedergeben. Das hat sie auch nachdenklich gemacht: Wie kommt es, dass unsere Kinder das Gefühl haben, sie müssen bestehen vor den Augen der Erwachsenen?

Ich erzähle ihr von einer Führung, die Kinder auf dem Gut Hohenberg gemacht haben, nachdem sie drei Tage dort im Schulpraktikum waren. Die erwachsenen Teilnehmer waren überrascht, wie professionell erwachsen die Führung war. Sie waren auch erschrokken über so viel Faktenwissen, ohne eigene Erfahrung und Begeisterung. Und sie waren überfordert, all das Wissen zu behalten, was die Kinder ihnen präsentiert haben. Gerne könnt ihr Ulli nach dieser Führung fragen.

Wir sind es gewohnt, dass wir von älteren vor Prüfungsfragen gestellt werden. Prüfungsfragen haben jedoch eine Besonderheit: Sie haben eine richtige Antwort. Jede Antwort, die nicht richtig ist, macht den Befragten zum Verlierer. Der Prüfer selbst jedoch bleibt immer der Gewinner.

Was ist anders im Erfahrungsfeld-Bauernhof?

Diese Frage taucht immer wieder auf und verfeinert sich unter den verschiedenen Aspekten. Einige will ich hier aufzählen:

  • Wir wissen nicht mehr als die Gäste – wir wissen nur anderes.
  • Was die Gäste wissen ist für die Gäste auch richtig – ob es mit ihrer Wahrnehmung zusammenpasst, das können wir gemeinsam erfahen.
  • Wir wollen die persönliche Entwicklung, die bei der Begegnung mit dem Hof entsteht – dass dabei tiefgreifende Erfahrungen mit der Landwirtschaft entstehen ist ein zusätzliches Plus
  • Jeder kann lernen und Begleiter eines Lernprozesses sein. Das eigene Wissen macht uns Wach für mögliche Fragen – aber es ist nicht das Ziel, dieses Wissen kundzutun, wenn der Andere nicht explizit danach gefragt hat.
  • Augenhöhe in der Begegnung kann nur dann entstehen, wenn wir bereit sind gemeinsam voneinander zu lernen. Das nennen wir Dialog!

Der Filmbeitrag wird am Freitag, 1.7.2016 um 19:15 im Hessenfernsehen ausgestrahlt während der Sendung ALLE WETTER. Wer die Sendung verpasst, kann in der hr-Mediathek nachschauen: MEDIATHEK

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Tagesworkshop Hannover – 10. Juli 2015

Trau Dich – Mit Fragen führen – Begegnung ermöglichen

Stellen Sie sich vor, sie begleiten Menschen über einen Bauernhof, durch eine Landschaft, in ein Museum…

  • Was tun Sie, um diese Menschen mit diesen Orten in eine echte Begegnung zu bringen?
  • Wie gelingt es Ihnen, Mitgefühl, Begeisterung, Verhaltens-veränderung hervorzurufen?
  • Wie gehen Sie mit den Fragen der Teilnehmenden so um, dass diese auch wirklich ihre Antwort finden können?

In diesem Workshop geht es genau darum: Wie erzeuge ich Beziehung? Wie entwickle ich Übungen und Interventionen, um auch bei einem kurzen Besuch das Gefühl einer echten Begegnung zu hinterlassen?

Wir werden auf einem Bauernhof eine Führung erleben und gemeinsam entdecken, wie eine Führung durch Evokation gewinnt.

Dieser Workshop eignet sich auch hervorragend zur Auffrischung der Methodik für zertifizierte EFB-Begleiter

Weitere Besonderheiten:

Im Rahmen des Tagesworkshops auf einem Betrieb in der Nähe von Hannover wollen wir die Grundmethodik am eigenen Leib erfahren und entdecken, wie unser Interesse sich wecken lässt. Wie kann es gelingen, das Interesse des Gastes in den Kern einer Führung zu stellen? Welche Fragen muss man formulieren, damit das Interesse wächst und nicht verstummt?

Dieser Tagesworkshop hat einen besonderen Anlass: Ein großer Lebensmittelkonzern möchte gerne Kunden, Höfe und den Handel miteinander mehr vernetzen. Die von uns gemachten Erfahrungen ermutigen zu gegenseitigem Austausch. In diesem Workshop wollen wir daher vorbereiten, wie im norddeutschen Raum eine solche Vernetzung zwischen Supermärkten, Landwirten und Kunden konstruktiv wachsen kann.

Aus der Jahrelangen Erfahrung ihrer Arbeit berichten Claudia Klebach und Olaf Keser-Wagner. Sie führen durch konkrete Übungen und wecken die Sinne der Teilnehmer – dabei geht es nicht nur um die fünf klassischen Sinne, sondern auch um den Leichtsinn und den Lebenssinn und die Sinne, die wir während unserer Reise sonst noch entdecken.

Für alle, die Lust haben, etwas neues zu entdecken und mit Menschen auf Bauernhöfen Fragen nachzuspüren.

Den Aushang dazu kann man hier herunterladen als PDF und weiterleiten: EFB-Plakat Trau Dich Hof Schweer 10.07.2015

Organisatorisches:

Veranstaltungsort:

Kartoffelhof Schweer, Vor den Höfen 24, 31303 Hülptingsen/Burgdorf

Datum: 10.07.2015 von 10-17:00 Uhr

Kosten je Teilnehmer: 90 € zuzüglich 10,00 € Kosten für die Verpflegung, die direkt an den Hof zu entrichten ist.

Die Fortbildung ist vom Landesschulamt und der Hessischen Lehrkräfteakademie akkreditiert unter der Veranstaltungsnummer 0137533402

Weitere Informationen erhalten Sie gerne mündlich, wenn Sie per Mail anfragen:

Anmeldung online: