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Erfahrungsfeld Blaubeere – zu Gast auf dem Bickbeernhof in Brokeloh

„Wir können nur Blaubeeren“-so lautete der Ausspruch von Herrn Nolden, der uns als Gastgeber des zweiten Zertifizierungstags in Niedersachsen auf den Bickbeernhof begrüßte. 25 Hektar Blaubeeren und eine Gastronomie, die ganz abgestimmt ist auf Gerichte, in denen Blaubeeren eine leckere Komponente sind. Aber es ging nicht nur ums schmecken…

Zusammen mit den Teilnehmern der Zertifizierung im niedersächsischen Raum, durften wir den Hof auf eigene Faust entdecken und erfahren was die Methode Erfahrungsfeld Bauernhof mit uns macht. So begannen wir am Rand des Blaubeerfeldes mit dem Untersuchen der Pflanzen. Als Städter aufs Land gezogen entstand die Frage > Sind dies noch Blaubeeren und können diese noch geerntet werden? <Bei genauerem Betrachten, sahen wir wie die Beeren an den Rispen teils abgeerntet und teils noch wenige vorhanden waren. Wir erlebten ein haptisches, optisches und geschmackliches Ereignis. Zudem erfuhren wir einiges über Alter, Gehölzart und Erträge der Pflanzen.

Die Ertragsfrage beschäftigte uns am meisten. Kein Wunder! Wenn Lebensmittel-Märkte Blaubeeren angeliefert bekommen, dann gibt es einen Preis für den Verbraucher. Die Frage, welche Arbeiten vorher ausgeführt werden und in welcher Zeit diese erledigt werden müssen, damit dieser Preis erzielt werden kann, war so interessant, dass sie uns über die ganze Führung begleitete. So stoppten wir die Zeit wie lange es dauert um fünf Blaubeeren zu ernten. Und versuchten hochzurechnen wieviel Zeit notwendig ist um ein Kilo Beeren zu ernten. Jede Rispe hat jedoch unterschiedlich viele Beeren und jeder Strauch unterschiedlich viele Rispen. Ein schwieriges Unterfangen. Die genauen Kennzahlen konnte uns der Betriebsleiter später nennen.

Wir verdichteten mit der Gesprächslandkarte 8×8 die Fragen, sodass wir die Bedeutung dieser Kennzahlen erfassen konnten. Faszinierend wurde es, als wir über die unterschiedliche Größe der einzelnen Büsche diskutierten. Lag es am Alter der Pflanze? Oder an der Sorte? Der Landwirt erklärte uns später, dass selbst gleiche Sorten unterschiedlich schnell wachsen. Weil sie zweimal im Jahr auf eine gut erntebare Höhe zurückgeschnitten werden. Außerdem ist die Beschaffenheit des Bodens verschieden. Somit wirkten manche Büsche groß und üppig , andere wiederum etwas gedrungener. Der Ertrag sei auch an den kleineren Büschen ähnlich hoch, wie an den großen.

Auf der anderen Seite des Unternehmens fanden wir die Halle mit der Sortier- und Abpackanlage und konnten uns daraus herleiten, wie der Prozess der Blaubeere in die Verkaufsschälchen verläuft. Auch sahen wir dort an den Wänden Regale befüllt mit Blaubeeressig, Blaubeerkompott oder Blaubeermarmeladen. Etiketten zeugten von der Vielfalt der Produkte. Hier konnten wir wieder untersuchen was alles aus den Blaubeeren entstand. Und wenn ich hier sage „alles wurde mit viel Liebe und Sorgfalt hergestellt“, so entnehme ich das der Erfahrung, dass wir überall gut gelaunte und begeisterte Mitarbeiter vorfanden.

Der Gang durch den Hof endete mit einem Feedback und einer Rückbesinnung auf das, was die Hofführung von anderen unterschied. Die Kommentare der Teilnehmenden lassen sich so zusammenfassen: normalerweise wird versucht, in kurzer Zeit möglichst viele Informationen zu vermitteln. Aber genau das reicht dem Gast nicht zur Erkenntnis. Die Erkenntnis, wie selbst der Betriebsleiter der Gastronomie erwähnte, war bei weitem nachhaltiger und tiefer, als das was er bei Führungen auf anderen Höfen erfährt: Das dort Jemand ist, der ihm alles was er über den Betrieb weiß in der zur Verfügung stehenden Zeit erzählt.

Am Nachmittag wendeten wir uns einem besonderen Aspekt zu. Hier ging es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Sinnen. Neben den klassischen fünf Sinnen, sammelten wir Assoziationen zur Sinnestätigkeit die nicht nur mit den Sinnesorganen wahrnehmbar sind. Sondern die dahinter liegen und unsere Wahrnehmung schulen und unterstützen. Sodass wir Ideen entwickelten, wie wir mit wenig Material eine tiefgreifende Begegnung mit dem Gast erzeugen.

So kamen wir beispielsweise auf den Gleichgewichtssinn. Ein Stock auf dem alle versuchten zu balancieren. Oder die Aufgabe, diesen Stock dann auf der Hand zu balancieren. Das brachte uns Erfahrungen mit dem Gleichgewicht und der Fähigkeit dieses herzustellen. Wir versuchten auch den Stock waagerecht auf einen Zaunpfahl zu legen. Dies erschien relativ einfach, aber dann die Übung zu steigern und den Stock senkrecht auf den Zaunpfahl zu stellen, entpuppte sich als äußerst schwierig. Daraus folgte, dass die Konzentration zunahm um diese Aufgabe irgendwie auszuführen. Jedoch schafften wir es nicht. Aber der Versuch und die Aufmerksamkeit es auszuprobieren bleibt in großer Erinnerung.

Die Inspiration, solche Übungen direkt auf dem Betrieb zu entwickeln, mit den Materialien die gerade zur Verfügung stehen, stammt aus dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens. Dabei wird die Aufmerksamkeit gebündelt und es werden Phänomene kennengelernt.

Die Reise geht weiter, denn im nächsten Jahr werden wir wieder Termine machen. Sowohl in Schleswig Holstein als auch in Niedersachsen und dort weitere Betriebe kennenlernen. Wir werden sie nutzen um unsere eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln und Führungen die wir selbst anbieten wollen auf dem Hof zu verstärken.

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Preis-werte Bildung am Lernort Bauernhof?

Mit unserem Kooperationspartner der Stiftung Ökologie und Landbau, sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof, veranstalten wir den folgenden Workshop:

Einladung zum Workshop

Preis-werte Bildung am Lernort Bauernhof?

Mittwoch, 19. November 2014, 10.30 bis 16.00 Uhr

Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof, Landwege e.V. Vorrader Straße 81, 23560 Lübeck

Bildungsangebote am Lernort Bauernhof sind so vielfältig wie die Lernorte selbst – und deren Preise ebenso!

  • Wie kommen wir zu einer angemessenen Preisgestaltung – wie erarbeiten wir uns selbst ein Gefühl für den Wert der Bildungsangebote, die wir machen?
  • Was ist das – der Wert der Bildung am Lernort Bauernhof, wie können wir das selbst erspüren und uns auf den Weg machen, um „Wert“ und „Preis“ in ein Verhältnis setzen?
  • Wie kommen wir zu einer für alle befriedigenden und nachvollziehbaren Preisgestaltung?

Diese Fragen haben sicher schon alle beschäftigt, die am Lernort Bauernhof aktiv sind.

Olaf Keser-Wagner vom Erfahrungsfeld Bauernhof e.V. wird sich mit uns einen Tag lang am JNH Ringstedtenhof bei Lübeck diesen Fragen widmen – wir freuen uns auf rege Beteiligung zu diesem aktuellen Thema!

Anmeldungen bitte an:

Ulrich Hampl

Der Preis: Zwischen 90 und 130.-€ incl. Imbiß – entscheiden Sie selbst!

Nach der Veranstaltung freuen wir uns über Barzahlung vor Ort.

Diesen Text als PDF-downlod:

Einladung zum Workshop Preis-Wert

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Preis-Werte Bildung?

Einladung zum Workshop

Mittwoch, 19.11.2014, 10.30 bis 16.00 Uhr

Jugend-Naturschutz-Hof Ringstedtenhof, Landwege e.V. Vorrader Straße 81, 23560 Lübeck
Stamp Germany 2001 - Lebenslanges Lernen

Bildungsangebote am Lernort Bauernhof sind so vielfältig wie die Lernorte selbst – und deren Preise ebenso! Preis-Werte Bildung? weiterlesen

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Sich von Fragen führen lassen

Dieser Bericht erreichte uns nach dem Workshop in Wulksfelde. Dr. Ulrich Hampl hat ihn uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Auszug aus einem persönlichen Bericht über einen Workshop mit Olaf Keser-Wagner auf Gut Wulksfelde am 6. Juni 2013

Veranstalter: Ökomarkt Hamburg, Stiftung Ökologie & Landbau

Olaf stellte als erstes drei Fragen, die die Teilnehmenden (TN) zu zweit besprechen und anschließend die Antworten des Partners vorstellen sollten (er hatte in der Begrüßung von mir das Wort „Vermittlung“ aufgeschnappt):

• Wer bin ich?

• Bei welchem konkreten Ereignis habe ich selbst „Vermittlung“ schon erlebt?

• Welche konkrete Frage habe ich an den heutigen Tag?

Durch diese Methode kamen die TN sofort ins Gespräch miteinander und es wurde unmittelbar das genaue Hinhören und Wiedergeben geübt.

Eine TN fragte: „Was wird hier angebaut?“

Olaf: „Was versprichst Du Dir von der Antwort?“

TN: „Ich könnte dann wissen, ob ich hier gesundes Öko-Weizenbrot kaufen kann, oder aber ich würde rausfinden, wie ich Kindern vermitteln kann, dass nicht alles, was es im Hofladen gibt, hier angebaut wird!“

Aha!!! Durch Olafs Nachfrage kam heraus, dass da gleich zwei „Fragen dahinter“ sind, hinter dem Wunsch nach der Klärung, was hier angebaut wird!

Eine direkte Antwort auf die Frage hätte das nicht zum Vorschein gebracht.

TN: „Dort hinten bei dem Lager mit den vielen Kisten war so ein Geruch!“

wird zur Düngung im ökologischen Landbau eingesetzt
Haarmehlpellets werde zur Düngung im ökologischen Landbau eingesetzt

Die TN führt uns dorthin, um zu erkunden, woher der Geruch kommt. Wir landen zwischen großen Kisten bei einem großen Sack, aus dem der Geruch kommt. Wir sehen nach und entdecken gepresste kleine graue Pellets darin, befühlen sie und riechen und fragen uns, was das ist. Es kommen Vermutungen wie Mineralfutter, Kaninchendung u.a.., wir wissen es aber nicht genau.

Nun läßt Olaf die Beantwortung durch Tina zu, die sich hier auskennt. „Tierhaarpellets, zur Düngung im Gemüsebau, da seit BSE Hornspäne nicht mehr eingesetzt werden können….“

Sofort ergeben sich viele neue Fragen, z.B.:

• was sind Tierhaarpellets, wie entstehen sie?

• Von toten Tieren oder werden lebende Tiere rasiert??

• Was hat die Düngung dieser Pellets mit BSE zu tun???

• Warum Tierhaare und Hornmehl nicht??

• Sind damit gedüngte Gurken noch vegetarisch??

Es entsteht großes Interesse aller TN, fast jede/r hat eine andere Frage – wir versuchen, die Kompetenz der Gruppe für die Beantwortung zu nutzen, aber wir entdecken – es gibt nur „Halbwissen“! Olaf frägt einige TN, ob sie es übernehmen wollen, Einzelfragen zuhause nachzugehen und die TN später über Email zu informieren – das wird von einzelnen TN zugesagt.

Das Wichtigste ist: Durch Ernstnehmen der Frage des Gastes und durch Ermuntern zum genauen Beobachten, Anschauen, Hingehen, Lesen wird aus dem Interesse ein aktives Erkunden, Entdecken, Nachdenken – über eine aus dem Gast kommende Frage! Und wenn es den Gast wirklich interessiert, wird er dranbleiben und weiterforschen und sich so Erkenntnisse selbst aneignen, die viel tiefer sitzen als wenn schnell eine Antwort gegeben worden wäre.

Wie ist es aber bei einer größeren Gruppe, wenn sich nicht alle für die momentane Frage interessieren, wenn z.B. abschweifen, sich absondern, nichts fragen?

Olaf: Genau auf diese Kinder zugehen, fragen, was sie interessiert und daran weitermachen – aber Zustimmung der Gruppe einholen. Falls kommen sollte „ich will nichts machen/erkunden, mir ist langweilig“ o.ä. – genau das tun! „Nichts….. alle anderen ermuntern, auch einfach nichts zu tun! Das auch wirklich durchziehen, aushalten – und es wird sich etwas bewegen, es werden Äußerungen kommen.

Olaf: „Erst wenn man durch die Langeweile durch ist, weiß man, was man will!“

Uli Hampl

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Gut Wulksfelde in Hamburg

16 TeilnehmerInnen haben einen Tag lang selbst erfahren, was es bedeute, mit Fragen zu Fragen zu führen. Endlich gab es schönes Wetter und die Lust auf Draußen-Sein war riesig. So zeigte sich das Gut von strahlender Seite. Ein paar Bilder aus dem Tagesworkshop folgen.

Beim Rückwärts-Gehen entlang der Scheune fiel jemandem ein befremdlicher Geruch auf. Als davon berichtet wurde, dachte ich: Sie meint sicherlich eine faule Kartoffel, oder alten Kohl. Stattdessen waren es Haarpellets, die zum Düngen verwendet werden in der Gärtnerei. Die Fragen, wie diese genau hergestellt werden und ob sie eigentlich eine echte Alternative zu den Hornspänen sind, blieben als weiterführende Aufgaben für zwei Teilnehmerinnen zurück.

Damit folgen wir unserem Prinzip, den Teilnehmenden Fragen mitzugeben, statt diese zu beantworten.

Am Schluss stand für einige fest: Wir wollen weitermachen. Jetzt freuen wir uns auf Verabredungen zur ersten Zertifizierung in Norddeutschland (Niedersachsen – Hamburg – Schleswig-Hostein)