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Bio oder Konventionell? Ein Rückblick auf ein Tagungsphänomen

Diese Frage stand als Titel einer Erwachsenenweiterbildung auf dem Bauernhof. Als die Bäuerin davon auf der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof (BAGLoB) erzählte, kam es zu sehr gespaltenen Reaktionen. Wir bringt man dies den Gästen auf dem Betrieb bei?

Ihr Vorschlag, den ich auch unterstütze, lautete: Möglichst einfach die Fakten gegenüberstellen. Wieviele Hühner leben auf einem Quadratmeter Stallfläche? Woraus setzt sich das Futter zusammen? Welche Maßnahmen werden beim Anbau von Getreide von der Saat bis zur Ernte durchgeführt?

Die Kunst in dieser Vermittlung: Wirklich nur die Fakten darstellen und diese nicht zu bewerten. Dann kann es gelingen, dass der Gast sich die Frage stellt, welche Landwirtschaft für ihn die bessere ist.

Warum kommt es aber dennoch zu starken Angriffen, emotionalen Verteidigungsreden und Polemisierung?

Das wird an einem anderen Vortag deutlich: Ein Betriebsleiter stellte seine Bildungsarbeit vor und betonte, dass er ein konventioneller Schweinemast betrieb sei. Ein Foto zeigte drei Schweine aus seinem Stall. Eines davon schaute in die Kamera, die beiden anderen hatten den Kopf gesenkt. Ein bischen Spaltenboden konnte man bei genauem Hinschauen erkennen – und die Stallwand. Dann kam seine Aussage: „Das Bild täuscht – die Schweine haben bei uns mehr Platz, als es hier aussieht“.

Diese kleine Bemerkung ist an ein Publikum gerichtet, von dem er sich kritisiert oder sogar angegriffen fühlt. Anders ist diese Bemerkung nicht zu verstehen, denn niemand hatte danach gefragt. Aber sie bewirkt einen Stimmungswandel.

Betrachtet man hingegen die Vorträge der Betriebe aus dem Ökolandbau, gibt es dort viel häufiger eine deutlich positive Haltung: “Ich will das so für mich, ich finde das gut, was ich tue, ich lerne darin und habe meinen Weg gefunden”. Bei einem Vortrag wurde sogar der Blick auf unsere Erde geworfen als Motivation, die Arbeit so zu machen, dass die Erde uns erhalten bleibt.

Die Kollegen von der konventionellen Seite betonen mehrfach, dass sie auch nachhaltig wirtschaften wollen, dass sie selbstverständlich umweltschonend arbeiten. Aber immer wieder schwingt ein leiser Ton der Entschuldigung, der Verteidigung mit.

Die Ambivalenz und Unentschlossenheit der Akteure wirkt sich auf mich als Zuhörer aus: Ich werde zur Provokation geradezu gezwungen und muss mich bewusst zurückhalten, mich nicht dazu zu äußern. Wir sollten meiner Ansicht nach lernen, uns wirklich auf Augenhöhe zu begegnen, uns als das zu verstehen, was wir sind: Menschen, die jeder ihr Bestes geben, um nachhaltig und zukunftsfähig zu arbeiten. Und BetriebsleiterInnen, die eine große Verantwortung ernst nehmen und diese an ihre Gäste weitergeben wollen.

Kannst Du erkennen, welche Fläche bio oder konventionell ist? Foto: (c)pixabay

Die Unterteilung in Bio oder Konventionell macht aber aus einem weiteren Aspekt keinen Sinn mehr: Der Begriff Konvention bedeutet eine Verabredung oder Übereinkunft. Die konventionelle Landwirtschaft ist daher die, die in Übereinkunft ausgeübt wird. Gibt es denn diese Übereinkunft überhaupt? Und wer müsste sie treffen?

Wenn die Landwirtschaft sagt, sie handele in Übereinkunft mit den Verbrauchern, dann bedeutet eine zunehmende Kritik der Verbraucher, dass diese Übereinkunft nicht mehr existiert. Und vielleicht sind dann zukünftig die Biobetriebe die neuen konventionellen Betriebe?

Wir werden nicht umhin kommen, Landwirtschaft und Gesellschaft neu zu denken und um neue Übereinkünfte zu ringen. Wir sind auf einem guten Weg und sollten diesen auch weiterhin beschreiten. Nur wird es deutlich mühsamer, wenn wir bereits untereinander durch Pauschalisierung uns gegenseitig Rechtfertigen und Entschuldigen. Wir müssen bei unserer Sprache beginnen und Unterscheidungen unterlassen, nach denen wir nicht gefragt wurden. Jedem der Akteure, der sich mit der Beziehung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft befasst, sollten wir zumuten, dass er es mit bestem Gewissen und seinen besten Fähigkeiten macht. Und wir sollten uns gegenseitig unterstützen darin so gut zu werden, dass wir keine Zumutung für die Gesellschaft werden. Gelingen kann uns dies, indem wir helfen einfach nur wahrgenommen zu werden. Dann wird die Frage, was denn eigentlich die richtige Landwirtschaft ist, so massiv zu unseren Gästen gelegt, dass diese echtes Interesse für ihre Verantwortung entwickeln können.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein gutes Gelingen!

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Mit HumHub in die digitale Vernetzung

HH1 Registrierung

Über den Jahreswechsel haben wir unseren Internet-Anbieter gewechselt. Der Grund liegt darin, dass wir die EFB-BegleiterInnen mehr miteinander vernetzen wollen und die Kommunikation zwischen einzelnen Kursen und zwischen erfahrenen BegleiterInnen verbessern wollen. Die Plattform soll Fragen sammeln und gegebenenfalls in einem Wiki einheitlich beantworten. Erfahrungsaustausch, Veranstaltungsankündigung und Ideenbündler – so jedenfalls stellen wir uns das für die Zukunft vor.

Ob und wie es uns gelingt, werden die nächsten Kurse zeigen. Jedenfalls besteht jetzt schon für alle ehemaligen KursteilnehmerInnen die Möglichkeit, sich auf der Plattform anzumelden und damit per Mail in selbst gewählten Abständen über die Diskussionsbeiträge etc. informiert zu werden.

Wer sich anmelden will, der registriere sich unter www.intern.efb-ev.org und bestätige die nachfolgenden Mails entsprechend. Wir freuen uns auf rege Teilnahme!

Die Teilnahme ist Kostenlos! Voraussetzung ist jedoch, dass Sie uns zumindest schon mal während einer Veranstaltung kennengelernt haben.

Teilnehmer, die das kleine oder große Internetpaket gewählt haben, bekommen allerdings mehr Spaces und Themen freigegeben.

Nach dem Einloggen gibt es die Möglichkeit in verschiedene Spaces eingeladen zu werden. Je nachdem, was man bereits als Begleiter oder Kursteilnehmer bei uns gelernt hat, werden die entsprechenden Spaces freigeschaltet.

Dort findet ihr dann in Zukunft Hintergrundmaterialien zu den Modulen, Übungen und Anregungen. Entweder direkt zum Download oder verlinkt mit entsprechenden Seiten.

Videos von Webinaren

Auch sollen hier in Zukunft die Aufzeichnungen der Webinare zu finden sein. Das ist gerade für die Anleitungen zur Erstllung eines Termins oder auch, um sich im Teamspace zurecht zu finden, sehr hilfreich.

Wir werden hier mehrere kleine Anleitungen positionieren, damit man gleich in Häppchen sich weiterbilden kann.

 

Space-Menü

Im Menü links findet ihr jeweils die verschiedenen Bereiche, die für diesen Space wichtig sind.

Auf der Willkommensseite sind das der Stream (wie ein Chat zu nutzen), Umfragen (sehr schön, kann man ganz kurz und einfach selber machen) und das Wiki – dort werden wir alle Fragen sammeln, die nicht spezifisch zu einzelnen Modulen der Zertifizierung zuordnungsfähig sind.

Wir freuen uns schon, auf eure Mitarbeit!

P.S. Keine Angst vor der Anmeldung. Ihr regelt selbst, wie häufig ihr per Mail benachrichtigt werden wollt. Die Anleitungen dazu gibt es auch im Teamspace.

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1000 Eier und das Verständnis von Zahlen

Wir Erwachsene fragen oft nach Zahlen und Werten. Saint-Exupery schilderte diese Eigenart eindrücklich in der Einleitung zum Kleinen Prinzen. Doch kennen wir diese auch?

In unserer „Wissensgesellschaft“ werfen wir mit Zahlen um uns und meinen, damit die Dimensionen erkannt zu haben oder die Ausmaße zu kennen. Im Rahmen der Führungen auf den Betrieben entdecken wir immer wieder solche Phänomene und sind dann oft überrascht, wenn wir diese in eine echte Wahrnehmung bringen.

So geschah es auch in den vergangenen Tagen wieder. Wir waren zu Gast auf dem Kartoffel- und Eier-Betrieb Hof Burmeister in Wakendorf bei Bad Oldesloe. Im Rahmen der Führung kamen wir auch in die Abstellkammer vor dem Hühnerstall. Dort lauschten wir dem Gurren der Legehennen und versuchten zu ergründen, wie viele Tiere wohl im Stall auf der anderen Seite der Wand wären. Und als deutlich wurde, dass das Gurren nicht nur in dem Raum parallel zur Kammer entstand, sondern auch noch weiter ging, öffneten wir die Türe, um dort erstaunt festzustellen, dass sich eine ganze Halle mit ca. 50m Länge anschloss. Jetzt tauchten Fragen auf: Wieviele Hühner hat wohl der Betrieb? Wie alt wird eigentlich ein Huhn und wie viele Eier legt es im Jahr?

Die Kunst besteht nun darin, diese Fragen zu vertiefen – sie Wirksamkeit entwickeln zu lassen und brennenden Fragen reifen zu lassen. Wiebke, die Bäuerin, hatte die Antwort schon auf der Zunge und wollte die Zahlen nennen. Wir haben das dann ausgebremst und erstmal nach den Vorstellungen gefragt, die die erwachsene Teilnehmerin davon hatte. „Ein Huhn sollte doch älter als ein Jahr werden“ sagte sie. Und bei der Einschätzung der Legeleistung formulierte sie „Vielleicht 1000 Eier im Jahr?“ Wir haben uns getraut, diese Frage stehen zu lassen und dazu aufgefordert, sie am Ende der Führung nochmal zu stellen, falls sie dann noch aktuell ist.

Die Reise über den Hof führte uns zu den Kartoffeln und über die großen Hofflächen. Dort wurde die kurze Frage gestellt, wieviel Hektar Kartoffeln denn der Betrieb anbaue. “220 Hektar“ war die schnelle Antwort, noch bevor wir hinterfragen konnten, wie groß eigentlich ein Hektar ist. Als wir diese Frage hinzustellten, kam die Antwort: „100 m²“ … und es lag schon ein leiser Zweifel in der Stimme des Fragenden.

Zwei Zahlen, die typisch sind für die mangelnde Erfahrung mit den Größenordnungen eines landwirtschaftlichen Betriebes. Die Hektar konnten wir gut auflösen, in dem wir die Maschinenhalle anschauten: 16 Tore mit jeweils ca. 4 m Breite. Zwischen den Toren etwa 2m Mauerstücke. Das ergibt 16X6 m = 96 m- Diese Hallenlänge ins Quadrat ist 1 Hektar = 10.000 m². Doch 220 Hallen dieser Länge hintereinander und eine Hallenbreite ist nach wie vor unvorstellbar. Das ist an dieser Zahl das Problem. Vielleicht schaffst Du es, dir 30 oder 40 Hallen vorzustellen. Mehr wird dann schon nicht mehr für das menschliche Auge erfassbar.

Bei der Legeleistung der Hennen zeigte sich am Ende, als wir reflektierten, was wir gesehen und erfahren hatten, dass die Frage noch brennend war. Das Aushalten der Frage zu erleben ist meiner Ansicht nach ein wichtiger Aspekt, um zu prüfen, ob das Interesse an der Sache überhaupt vorhanden ist. Die Antwort von Wiebke auf die wiederholt gestellte Frage lautete: „Unsere Hühner haben eine Legeleistung von 92%“ – das bedeute: an 100 Tagen werden 92 Eier je Huhn gelegt. Im Jahr also 335 Eier. Das Aushalten der Frage führt aber auch dazu, dass nun eine ganze Reihe von weiteren Fragen entstehen: Wie lange bleibt ein Huhn auf dem Betrieb? Wird es nach dem Jahr geschlachtet? Was kostet eine Legehenne im Einkauf? Was bringt sie beim Schlachter? Was kostet ein Ei im Verkauf vom Hof zum Lebensmittelhändler?

Es reicht in vielen Fällen aus, nur einzelne dieser Zahlen zu nennen. Denn diese Zahlen wirken so abstrakt und lassen sich nur schwer mit der Erfahrung füllen. Am Ende des Tages wird deutlich: Ein Huhn kostet 7 € Einkauf und bringt nur wenige Cent beim Verkauf an den Schlachter – falls überhaupt. Suppenhühner werden nicht mehr so oft gekauft. Bei einem Eierpreis zwischen 10-18 Cent je Ei und einer Legeleistung von 335 Eiern im Jahr ergibt sich im Minimum ein Betrag von 33,58 € je Huhn, für die Fütterung, die Stallhülle, die Sortierung und Abpackung, den Versand, das Marketing etc. Keine große Spanne, um große Gewinne zu machen.

Wenn man den Hof sieht, mit all seinen großen Hallen, Maschinen und vor allem den Mitarbeitenden, dann wird deutlich, dass unsere Vorstellung vom reichen Bauern und Gutsherr gehörig Korrekturen benötigt. Auch wenn wir nicht alle Zahlen kennengelernt haben: Die Auseinandersetzung mit derartigen Grundgrößen ist nicht nur für SchülerInnen interessant, sondern auch gerade für uns erwachsene.

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Jetzt nur noch einmal online-Mitmachen, dann…

Dank der Zusammenarbeit mit einem großen Lebensmittelhändler gelang es, seit Anfang des Jahres, Direkterzeuger und Mitarbeiter in Lebensmittelmärkten in einer gemeinsamen Zertifizierung zusammenzubringen. Auf drei verschiedenen Höfen durften wir erkunden, entdecken, erfahren.

“Das sollten eigentlich alle Gemüseverkäufer mal gemacht haben” sagte eine Teilnehmerin. Sie hatte mit der zunehmenden Weiterbildung immer deutlicher vor Augen, dass die Begleitung von Praktikanten im Supermarkt oder auch die eigenen Erkenntnisse zur Nahrungsmittelherkunft sehr hilfreich und in Zukunft viel interaktiver gestaltet werden können.

Die Fragen des Gastes ins Zentrum zu stellen, fällt jedoch auch mit mehrmaligem Üben nicht leicht. Zu sehr drängt sich immer die eigene Entdeckung, die eigene Vorstellung in den Dialog, wie es sein könnte. Olaf Keser-Wagners Tipp dazu, was in den Führungen hilft: “Macht euch nicht den Hof zum Erfahrungsfeld, sondern die Gruppe! – Was trägt sie für eine zentrale Frage in sich? Strebt sie gerade auseinander, denkt und beobachtet sie? Wo geben einzelne Gruppenmitglieder welche Impulse? Als EFB-Begleiter musst du ständig entscheiden, welchen Impuls du aufgreifst.”

Da macht es schon Sinn, dass man während der Ausbildung mehrmals ins Üben kommt. Hilfreich sind dann die Beobachtungen, wie etwas wirkt und wie sich die Wirkung durch andere Fragen verändern lässt.

Und jetzt gibt es nur noch einmal ein Webinar zum Thema der Vernetzung. Dann begrüßen wir die “Neuen” in unseren Reihen und hoffen, dass sie den Impuls weiter in die Welt tragen können.

Das Webinar trägt dazu bei, zu verstehen, wie das EFB Vernetzung ermöglicht und welche Möglichkeiten ich als Begleiter damit habe. Es findet statt am 12.12.2018 von 20:00 – 21:30 Uhr und kann auch von jedem Anderen über die Website gebucht werden. Link zur Anmeldung und weiteren Information

Es ist geeignet für Jeden oder Jede, die sich für eine Vernetzung mit dem Erfahrungsfeld-Bauernhof interessieren. Es ist das für die Zertifizierung notwendige Modul 7. Eine Entscheidung, ob man die Zertifizierung später machen will, kann man auch nach dem Webinar treffen. Weitere Termine stehen auf der Homepage.

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Wir stellen uns den Fragen.

             

In einem neuen Veranstaltungsformat in Form einer Webkonferenz werden wir zukünftig einmal im Monat Fragen zum Erfahrungsfeld Bauernhof beantworten. Vielleicht geht es dir so, dass du schon lange nichts mehr vom Erfahrungsfeld Bauernhof gehört hast, oder nicht mehr genau weißt worum es geht. Oder du es jemanden empfehlen möchtest, du es aber inhaltlich nicht so gut erklären kannst. Dafür ist dieses Webinar geeignet.

Wir entschieden uns dies nun einmal auszuprobieren um festzustellen wer sich dafür interessiert und welche Fragen entstehen. Diese Fragen werden wir zunehmend sammeln und wenn wir sie nicht in den halb bis einstündigem Webinar beantworten können, dann werden wir auch gezielt themenbezogene Webinare dazu anbieten.

 

Die Voraussetzungen für ein Webinar sind recht einfach. Ihr bekommt nach eurer Anmeldung per Mail einen Link zu unserer Webinarplattform gesendet. Außerdem eine zusätliche Telefonnummer und einen Veranstaltungscode.

Ihr benötigt einen PC mit Internetanschluss und ggf. ein Headset.

Ihr folgt dem Link und den Anweisungen und gebt die Veranstaltungsnumer ein.

Solltet ihr kein Headset haben, klickt ihr auf „Mit Telefon einwählen“ und stellt mit einem Telefon die Verbindung in diesen Webinarraum her.

 

Da wir auf Spenden und sonstige Förderungen angewiesen sind, auf Grund des großen Ehrenamtsteils, bieten wir das Webinar kostenpflichtig an. Wir erstatten jedoch die Kosten, falls Empfehlungen dafür ausgesprochen werden. Die sich anmeldende Empfehlung sollte dies uns jedoch schriftlich erklären (Ich bin empfohlen worden von…)

Außerdem bieten wir innerhalb eines festen Buchungsfensters für Frühbucher das Webinar kostenlos an. Das könnt ihr am besten herausfinden wenn ihr gleich auf die Veranstaltung unten klickt. Dort ist zu sehen ob ihr innerhalb des kostenlosen Zeitfensters seid oder nicht.

 

Ansonsten, freuen wir uns, wenn wir darüber wieder intensiver in Kontakt treten und gezielt mit Denjenigen wieder in Dialog kommen die es bereits tun, oder denjenigen die es in Zukunft machen wollen.

 

HIER findet ihr die Veranstaltung.

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Erfahrungsfeld Blaubeere – zu Gast auf dem Bickbeernhof in Brokeloh

„Wir können nur Blaubeeren“-so lautete der Ausspruch von Herrn Nolden, der uns als Gastgeber des zweiten Zertifizierungstags in Niedersachsen auf den Bickbeernhof begrüßte. 25 Hektar Blaubeeren und eine Gastronomie, die ganz abgestimmt ist auf Gerichte, in denen Blaubeeren eine leckere Komponente sind. Aber es ging nicht nur ums schmecken…

Zusammen mit den Teilnehmern der Zertifizierung im niedersächsischen Raum, durften wir den Hof auf eigene Faust entdecken und erfahren was die Methode Erfahrungsfeld Bauernhof mit uns macht. So begannen wir am Rand des Blaubeerfeldes mit dem Untersuchen der Pflanzen. Als Städter aufs Land gezogen entstand die Frage > Sind dies noch Blaubeeren und können diese noch geerntet werden? <Bei genauerem Betrachten, sahen wir wie die Beeren an den Rispen teils abgeerntet und teils noch wenige vorhanden waren. Wir erlebten ein haptisches, optisches und geschmackliches Ereignis. Zudem erfuhren wir einiges über Alter, Gehölzart und Erträge der Pflanzen.

Die Ertragsfrage beschäftigte uns am meisten. Kein Wunder! Wenn Lebensmittel-Märkte Blaubeeren angeliefert bekommen, dann gibt es einen Preis für den Verbraucher. Die Frage, welche Arbeiten vorher ausgeführt werden und in welcher Zeit diese erledigt werden müssen, damit dieser Preis erzielt werden kann, war so interessant, dass sie uns über die ganze Führung begleitete. So stoppten wir die Zeit wie lange es dauert um fünf Blaubeeren zu ernten. Und versuchten hochzurechnen wieviel Zeit notwendig ist um ein Kilo Beeren zu ernten. Jede Rispe hat jedoch unterschiedlich viele Beeren und jeder Strauch unterschiedlich viele Rispen. Ein schwieriges Unterfangen. Die genauen Kennzahlen konnte uns der Betriebsleiter später nennen.

Wir verdichteten mit der Gesprächslandkarte 8×8 die Fragen, sodass wir die Bedeutung dieser Kennzahlen erfassen konnten. Faszinierend wurde es, als wir über die unterschiedliche Größe der einzelnen Büsche diskutierten. Lag es am Alter der Pflanze? Oder an der Sorte? Der Landwirt erklärte uns später, dass selbst gleiche Sorten unterschiedlich schnell wachsen. Weil sie zweimal im Jahr auf eine gut erntebare Höhe zurückgeschnitten werden. Außerdem ist die Beschaffenheit des Bodens verschieden. Somit wirkten manche Büsche groß und üppig , andere wiederum etwas gedrungener. Der Ertrag sei auch an den kleineren Büschen ähnlich hoch, wie an den großen.

Auf der anderen Seite des Unternehmens fanden wir die Halle mit der Sortier- und Abpackanlage und konnten uns daraus herleiten, wie der Prozess der Blaubeere in die Verkaufsschälchen verläuft. Auch sahen wir dort an den Wänden Regale befüllt mit Blaubeeressig, Blaubeerkompott oder Blaubeermarmeladen. Etiketten zeugten von der Vielfalt der Produkte. Hier konnten wir wieder untersuchen was alles aus den Blaubeeren entstand. Und wenn ich hier sage „alles wurde mit viel Liebe und Sorgfalt hergestellt“, so entnehme ich das der Erfahrung, dass wir überall gut gelaunte und begeisterte Mitarbeiter vorfanden.

Der Gang durch den Hof endete mit einem Feedback und einer Rückbesinnung auf das, was die Hofführung von anderen unterschied. Die Kommentare der Teilnehmenden lassen sich so zusammenfassen: normalerweise wird versucht, in kurzer Zeit möglichst viele Informationen zu vermitteln. Aber genau das reicht dem Gast nicht zur Erkenntnis. Die Erkenntnis, wie selbst der Betriebsleiter der Gastronomie erwähnte, war bei weitem nachhaltiger und tiefer, als das was er bei Führungen auf anderen Höfen erfährt: Das dort Jemand ist, der ihm alles was er über den Betrieb weiß in der zur Verfügung stehenden Zeit erzählt.

Am Nachmittag wendeten wir uns einem besonderen Aspekt zu. Hier ging es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Sinnen. Neben den klassischen fünf Sinnen, sammelten wir Assoziationen zur Sinnestätigkeit die nicht nur mit den Sinnesorganen wahrnehmbar sind. Sondern die dahinter liegen und unsere Wahrnehmung schulen und unterstützen. Sodass wir Ideen entwickelten, wie wir mit wenig Material eine tiefgreifende Begegnung mit dem Gast erzeugen.

So kamen wir beispielsweise auf den Gleichgewichtssinn. Ein Stock auf dem alle versuchten zu balancieren. Oder die Aufgabe, diesen Stock dann auf der Hand zu balancieren. Das brachte uns Erfahrungen mit dem Gleichgewicht und der Fähigkeit dieses herzustellen. Wir versuchten auch den Stock waagerecht auf einen Zaunpfahl zu legen. Dies erschien relativ einfach, aber dann die Übung zu steigern und den Stock senkrecht auf den Zaunpfahl zu stellen, entpuppte sich als äußerst schwierig. Daraus folgte, dass die Konzentration zunahm um diese Aufgabe irgendwie auszuführen. Jedoch schafften wir es nicht. Aber der Versuch und die Aufmerksamkeit es auszuprobieren bleibt in großer Erinnerung.

Die Inspiration, solche Übungen direkt auf dem Betrieb zu entwickeln, mit den Materialien die gerade zur Verfügung stehen, stammt aus dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens. Dabei wird die Aufmerksamkeit gebündelt und es werden Phänomene kennengelernt.

Die Reise geht weiter, denn im nächsten Jahr werden wir wieder Termine machen. Sowohl in Schleswig Holstein als auch in Niedersachsen und dort weitere Betriebe kennenlernen. Wir werden sie nutzen um unsere eigenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln und Führungen die wir selbst anbieten wollen auf dem Hof zu verstärken.